Ein Rundgang durch den Flecken Bad Bodenteich
Bodenteich um 1870 Jüdischer Friedhof    

Rundgang durch den Ortskern

Der ursprüngliche Ortskern ist eine straßendorfartige Siedlung auf einem Höhenrücken zwischen der Aue und dem See, die sich entlang der alten Heer- und Handelsstraße nach Magdeburg zog. Die Siedlung entstand in Anlehnung an den befestigten Wohnsitz einer adligen Familie, der Ritter von Bodendike, spätestens im 12. Jahrhundert.
Die Burg Bodenteich, die einzige- wenn auch nur teilweise - noch erhaltene Burg im Landkreis Uelzen, war vom 14. bis zum 19. Jahrhundert im Besitz des Landesherrn. Von hier aus wurde das große Amt Bodenteich verwaltet, das im 17 Jh. zwei Drittel des heutigen Landkreises umfasste.
Durch seine Bedeutung als Verwaltungsmittelpunkt erlangte Bodenteich als Marktflecken eine Zwischenstellung zwischen Dorf und Stadt. Südlich der Einmündung der Burgstraße wird der Straßenraum zu einem kleinen Marktplatz erweitert. Dort wurde zweimal im Jahr ein Jahrmarkt abgehalten.1808 zerstörte ein Großfeuer 53 von 67 Wohngebäuden. Deshalb stammen die ältesten Gebäude meist aus der Zeit nach dem Brand.

1. Burg Bodenteich mit dem noch erhaltenen Amtshaus aus dem 14. /15. Jh. (einschl. Fachwerkflügel aus dem 17. /18. Jh. ), dem jetzt noch 8, 50 m hohen Rest des alten Bergfriedes (14. /15. Jh.) mit einer Aussichtsplattform und dem 1993 rekonstruierten Backhaus. Im Keller unter dem Fachwerkteil befinden sich die Grundmauern eines alten Feldsteinturms aus dem 13. Jh., in dem Tonscherben gefunden wurden, die von einer über 1000jährigen Besiedlung zeugen. Noch zu sehen sind die Grundmauern des alten Brauhauses aus dem Jahr 1726.
Seit der Restaurierung von 1983-88 befindet sich hier die Kurverwaltung, das Kleine Burgmuseum, Leseraum mit Bücherei und der Rittersaal für Konzerte u. a. Veranstaltungen.

2. St. Petri-Kirche entstand 1833 - 1836 in klassizistischer Bauweise, der 52 m hohe Kirchturm mit seiner charakteristischen barocken Haube wurde erst 1894/95 gebaut. Das von 22 dorischen Säulen getragene kassettierte Tonnengewölbe im Inneren der Saalkirche ist ebenfalls sehenswert.

3. Hauptstraße 12 (früher Bodenteicher Hof) gehörte zu den einstmals fünf herrschaftlichen Krügen
(Gastwirtschaften) in Bodenteich (1740 erstmals erwähnt)

4. Rathaus (Hauptstraße 23), 1906 als Gasthaus Niedersachsen nach einem Brand erbaut. Seit 1952 befindet sich hier der Sitz der Bodenteicher Verwaltung.

5. Gasthaus zur alten Post, Hauptstraße 24, gehörte schon im 17. Jahrhundert zu den herrschaftlichen Krügen. Von 1862 bis 1878 befand sich hier die Bodenteicher Postdienststelle.


6. Friedhof mit neuer (1985) und alter Friedhofskapelle (1958). Zwei Anlagen zu Ehren von 36 deutschen und 28 ausländischen Kriegsopfern, die überwiegend durch die Explosionskatastrophe am 25. 3. 1945 ums Leben kamen.
Der Friedhof befindet sich auf dem Leinenberg, ein Hinweis auf das hier im 19. Jh. hier weit verbreitete Leineweberhandwerk, das in seiner Gilde bis zu 13 Meister vereinigte.

7. Seepark entstand 1968 - 1974 aus der Erweiterung des alten Mühlenteichs. Die drei miteinander verbundenen Seen werden von der Aue (Ilmenau) durchflossen wird. (weitläufige Parkanlagen, Kiosk, Minigolf, Bootsverleih, Wassertretbecken u. a.)

8. Bergstraße 3, ein seit dem 19. Jh. nur wenig verändertes Fachwerkhaus in gutem Erhaltungszustand.

9. Bahnhofstraße mit Bahnhof (1950) und Gasthaus am Bahnhof (1959) entstand nach der Eröffnung der Bahnlinie Uelzen-Braunschweig (1900). Starke Zerstörungen durch die Explosionskatastrophe vom 25. 3. 1945 (u. a. Bahnhof und Gasthaus).
Unter den eingeschossigen Ziegelbauten in der Bahnhofstraße fällt Haus Nr. 12 wegen seiner reichhaltigen Stuckornamentierung auf

10. Schützenstraße 1, alte Bodenteicher Molkerei von 1891 bis 1965 (jetzt DRK-Rettungswache).

11. Schützenstraße 3, schöner villenartiger Putzbau mit aufwendig gegliederter Fassade (1894)

12. Neuapostolische Kirche im Kleifeld, erbaut 1986 (?)

13. Kriegerdenkmal (Ecke Häcklinger Straße/ Straße Am Waldbad): Hier sind die Namen von 178 Gefallenen und Kriegsopfern aus vier Kriegen (1866, 1870/71, 1. und 2. Weltkrieg) verzeichnet.

14. Alter Jüdischer Friedhof, (im Wald gegenüber der katholischen Kirche am Waldweg) mit Gräbern aus dem 19. Jh. (vgl. Erläuterungstafel)

15. Katholische St. Bonifatius - Kirche, Ecke Waldweg/Lübbeckenkamp, eine modern ausgestaltete Einraumkirche, die 1961 geweiht wurde.

Am Waldweg befand sich von 1933 - 1939 ein Arbeitsdienstlager.

16. Neustädter Straße ist die Fortsetzung der Hauptstraße in Richtung Süden und entstand als Ortserweiterung mit hauptsächlich eingeschossigen Ziegelstein- und Fachwerkbauten nach dem großen Brand von 1808. Sehenswert sind die Fachwerkhäuser Nr. 26 (1828) und Nr. 22 (1832) sowie als zweigeschossiger Ziegelbau mit gegliederten Fassade das Wohnhaus Nr. 20 (1901).

17. Hotel Bodendiker, Neustädter Str. 19, wurde 1835 erbaut und 1988 grundlegend renoviert.

18. Neustädter Straße 13 als eines der ersten Häuser nach dem Brand für den 2. Beamten des Amtes Bodenteich (Amtsschreiber) in Fachwerkbauweise errichtet.


19. Restaurant Niedersachsenhof, Neustädter Str. 3, wurde als zweigeschossiger Ziegelbau mit gegliederter Fassade 1850 erbaut.

20. Hotel Braunschweiger Hof, Neustädter Str. 2, war schon im 17. Jh.(1668) einer der fünf Bodenteicher Krüge; der Kern des jetzigen Gebäudes wurde 1798 erbaut und überstand als eines von wenigen Gebäuden den großen Brand 1808 unversehrt.(Erweiterungen 1975 und 1989)

21. Gasthaus zum Mühlenteich, Hauptstraße 4, nach dem Brand von 1808 wieder aufgebaut, gehörte zu den fünf alten herrschaftlichen Krügen Bodenteich.

22. Alte Wassermühle, Hauptstraße 3, schon 1330 erstmals erwähnt, stand am Übergang über die Aue und wurde 1966 stillgelegt. Vom Wanderweg zwischen Hauptstraße und Burg durch den Knick ist noch heute der Stumpf zu sehen, an dem das alte Mühlrad saß.
Von 1875 - 1975 gab es am Ortsausgang nach Langenbrügge auf dem Galgenberg auch eine Windmühle.

23. ehem. Gasthaus Lions Pub, Hauptstr. 6, war auch einer der alten Bodenteicher Krüge (erste Erwähnung 1723).

24. Im Winkel 2, früheres Burglehen der Familie von Appel, von 1704 - 1808 Haus des Amtsschreibers.

Außerhalb des Ortskerns

I. Seewiesen - schönes weitläufiges Wiesengelände östlich der Bodenteicher Burg dort, wo sich bis Anfang des 19. Jahrhunderts der etwa 3 km lange und bis zu 1, 5 km breite Bodenteicher See erstreckte; ab 1815 bis ins 20. Jh. trockengelegt (Pumpwerk 1959).
Das Gebiet der Seewiesen, wo man noch ungestört viele seltene Vögel beobachten kann, enthält auch die größte botanische Sehenswürdigkeit des Kreises Uelzen: das Naturschutzgebiet "Zwergbirkenmoor" zwischen Abbendorf und Schafwedel, wo die sonst nur in arktischen Tundren oder im Hochgebirge heimische Zwergbirke zu sehen ist. Sehenswert ist auch der große Teich, der zwischen Schostorf und Schafwedel über einer ehemaligen Bohrstelle angelegt wurde.

II. Elbeseitenkanal - Durch den Bau des Elbeseitenkanals in der Zeit von 1968 bis 1974 (53 m breit und 4 m tief) wurde Bodenteich in zwei Teile getrennt, die durch zwei Straßen- und eine Fußgängerbrücke miteinander verbunden bleiben. Die ......... km lange Wasserstraße verbindet den Mittellandkanal bei Braunschweig mit der Elbe bei Artlenburg. Der Höhenunterschied von .......m wird durch die Schleuse bei Esterholz (10 km nördlich von Bodenteich) und das Schiffshebewerk bei Scharnebeck (nordöstlich von Lüneburg überwunden. 1976 wurde der Kanal eröffnet, musste aber wenig später nach einem Dammbruch südlich von Lüneburg für mehr als ein Jahr wieder geschlossen werden .

III. Ortsteil Bodenteich-Heide (westlich des Elbeseitenkanals): Hier war geschützt in den Wäldern zwischen 1938 und 1941 eine Heeresmunitionsanstalt (Muna) entstanden, in der Munition verschiedener Kaliber abgefüllt wurde. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Gelände von den englischen Besatzungstruppen enttarnt, d. h. der Wald wurde abgeholzt, die Fabrikanlagen demontiert oder gesprengt.
Auf dem Muna - Gelände entstanden nach 1948 zunächst ein Flüchtlingslager, dann verschiedene Industriebetriebe und seit 1951 bzw. 1957 siedelte sich der Bundesgrenzschutz in Bodenteich an, der inzwischen der größte Arbeitgeber am Ort ist. 1975 erfolgte die Umwandlung zur Ausbildungsabteilung.

IV. Ehemalige Grenze zur DDR: 6 km östlich von Bodenteich befand sich seit dem Kriegsende die Grenze zwischen der britischen und der sowjetischen Besatzungsgrenze, deren genauer Verlauf zwischen Schafwedel und Schmölau bei einem Trinkgelage festgelegt wurde ("Whisky-Wodka-Grenze").
Nach der Gründung der DDR 1949 wurde diese Grenze immer mehr zu einem unüberwindlichen Grenzwall mit Todesstreifen, Selbstschussanlagen und Wachtürmen ausgebaut. Das verlorene Hinterland in der Altmark jenseits der DDR-Grenze beeinträchtigte die wirtschaftliche Entwicklung Bodenteichs nach 1945. Am 25. November 1989 wurde nach der Wende in der DDR der Grenzübergang zwischen Schafwedel und Schmölau wieder geöffnet. Heute ist von der Grenze
zwischen den beiden Teilen Deutschlands im Landschaftsbild nur noch wenig zu sehen.

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